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„Wir brauchen das Kino jeden Tag!“ - Das Berliner Projekt Blickpilotin e.V. (1989-2007)

Madeleine Bernstorff und Regina Holzkamp im Gespräch mit Verena Elisabet Eitel (Berlin)

 

 

 

 

Im Spätsommer 2016 wird die Homepage blickpilotin.de veröffentlicht. Sie zeichnet die Entstehung und Geschichte des Projekts Blickpilotin nach und stellt die diversen Filmprogramme, die über die Jahre im Kontext verschiedener Kinos in Berlin entstanden sind, vor. Und sie gibt einen Überblick über das Archiv der Blickpilotin, das sich mit den Jahren, mit der aktiven Arbeit des Vereins und mit jedem neuen Projekt „angesammelt“ und vergrößert hat. Seit Dezember 2016 befindet sich die Sammlung im Schriftgutarchiv der Stiftung Deutsche Kinemathek und ist dort einsehbar.

 

 

1blickpilotin

Header der Homepage www.blickpilotin.de

 

Anfangen am Anfang. Blickpilotin, damals noch Initiative für ein Feministisches Kommunales Kino wurde 1989 in Berlin gegründet. Madeleine Bernstorff und Regina Holzkamp waren zwei der fünf Initiatorinnen des Projekts, ebenso wie der jetzt neu entstandenen Homepage.

 

Über den Arbeitskontext Kommunales Kino hin zu den ersten Schritten der „Blickpilotin“.

Regina Holzkamp Das war die Zeit der ersten größeren Besetzerwelle in Berlin Anfang der 80er Jahre. Ich habe damals selbst in einem besetzten Haus in Schöneberg gewohnt. Dort gab es eine Kneipe, das K.O.B. und im Hinterzimmer gab es ein kleines Kino. Das ist von Leuten gebaut worden, die in dem Haus wohnten. Ein kleines Kino mit ungefähr 40 Plätzen und eine Gruppe von vier bis fünf Leuten hat dort politisches Kino gezeigt. Eines Tages kam Katrin Schulz auf die Kinomacher zu und fragte, ob sie einige Filme von Frauen zeigen könnte. Sie schrieb gerade ihre Magisterarbeit zu feministischem Film am Beispiel von Elfi Mikesch und hatte von ihren Filmen bis dahin nur einen im Kino gesehen. Das Programm wurde gut besucht, deshalb gründete sie mit mir und vier weiteren Hausbewohnerinnen das Furienkino im K.O.B. Ein Jahr lang, 1985 bis 1986, haben wir einmal wöchentlich Filme gezeigt – Kino von Frauen für alle. Als es diese Gruppe nicht mehr gab, habe ich Madeleine kennengelernt.

Madeleine Bernstorff Ich war Teil eines kleinen Kollektivs, das seit Juni 1984 das kommerzielle Sputnik Kino im Wedding betrieben hat, ein 50er Jahre Kino mit 340 Plätzen. Inzwischen wurde es abgerissen.

Das waren auch alles Leute aus dem Umkreis der Besetzerszene. Ich wurde dann die einzige Frau in einem Männerkollektiv, nach einer kurzen Anfangszeit, als Anna Fuchs mit dabei war. Es gab einige tolle Kinos im weiteren Besetzerumfeld wie das Kino Der parfümierte Alptraum (nach dem Film von Kidlat Tahimik), das Frontkino oder das Eiszeit Kino. Das Sputnik Kino mit seinen 340 Plätzen war sehr groß und wir mussten schauen, dass wir es auch bewirtschaften konnten. Die Verfügbarkeit von Filmen zum Vorsichten gab es damals natürlich nicht, VHS-Kassetten gab es nur von wenigen Filmen. Wir haben versucht die Filme zu zeigen, die wir selbst auch gerne sehen wollten.

Regina lernte ich dann bei der Arbeit für die erste Lesbenwoche kennen. 1985 hat unsere Kollegin Maria Schmidt in Berlin für die erste Lesbenwoche auch ein dazugehöriges Filmprogramm geplant. Und sie fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Für das Filmprogramm suchten wir Filmvorführerinnen und so kam Regina dazu. Team und Zuschauer war ladies only. Wir zeigten lesbisch lesbare Filme für lesbische Frauen. Und es funktionierte, es war brechend voll. An einem der letzten Tage zeigten wir zwei Vampirfilme, der eine war der Pop-Horror-Film Blut an den Lippen mit Delphine Seyrig (von Harry Kümel, 1971). Es gab einen heftigen Aufstand im Kino, weil den Frauen die ‚Männergewalt’ auf der Leinwand nicht gefiel. Ich war im Vorführraum und plötzlich haben die Frauen unten im Kinosaal versucht den Vorhang zuzuziehen und die Leinwand mit ihren Pullovern zu bedecken. Und dann ging Ulrike Ottinger auf die Bühne und sagte, „Delphine Seyrig hat mehr für die Frauenbewegung getan als viele von Euch“, so erinnere ich das. Es kam beinahe zu Schlägereien. Es war eine Auseinandersetzung über Bilder und das Publikum wollte die „richtigen“ Bilder sehen. Und es war das erste Berliner Lesbenfilmfestival!

 

Kino als Diskussionsraum. Wie viel Beteiligung hatte das Publikum?

Holzkamp Überhaupt war das eine Zeit, in der das Publikum viel mehr das Gefühl hatte, Einfluss haben zu können. Das Publikum wollte mitbestimmen, was gezeigt wurde.

Bernstorff Ja, es gab sehr offene Auseinandersetzungen darüber, was gezeigt werden soll. Eine Kontroverse über Bilder. Bei uns im Sputnik Kino wurden z.B. die Filme von Kurt Maetzig über den in der DDR verehrten KPD-Führer Ernst Thälmann gezeigt, worauf die Hausbesetzerszene stark positiv reagierte. Ich habe das Sputnik Kino Ende '87 verlassen, es wurde dann ein reines Männerteam. Als sie daraufhin sehr unkritisch Pornos ins Programm nahmen, gab es einen Farbbeutelanschlag auf die große Leinwand. Sie haben sich dann mit einem „feministisch angereicherten“ Programm korrigiert, z.B. mit mann & frau & animal (http://www.valieexport.at/de/werke/werke/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=1991&cHash=443377d48f) von Valie Export (1973). Und ein anderes Beispiel (nicht aus dem Sputnik): Anfang der 90er Jahre wurde – mit ausgelöst durch den Film Stau – Jetzt geht's los (1992) von Thomas Heise und Winfried Bonengels Beruf: Neonazi (1993) – in der linksautonomen Szene heftig diskutiert, wie viel „Bildraum“ man Neonazis überhaupt geben darf.

 

Konntet ihr als Kinomacherinnen in euren Filmprogrammen denn die Filme zeigen, die euch wichtig waren?

Holzkamp In den 80er Jahren war es ein ganz anderes Verfahren ein Filmprogramm zu erstellen als heute. Uns stand für die Filmauswahl noch kein Internet zur Verfügung. Filme haben wir in Büchern, in der Bibliothek recherchiert. Oder wir erfuhren durch Hören-Sagen von Filmen, durch Reisen auf Festivals wie z.B. die Feminale in Köln oder das Festival de films de femmes in Créteil. Filmbestellungen liefen dann per Telefon oder Fax. Zu Anfang der Blickpilotin gab es häufig nicht die Möglichkeit, Filme überhaupt bei einem Verleih zu finden.

Bernstorff Wir wandten uns an Filmverleihe hier in Deutschland und im Ausland, in England gab es die feministischen Filmverleihe Circles und Cinema of Women, die dann später zu Cinenova wurden, in Holland Cinemien. Ich wollte z.B. zur Lesbenwoche Olivia von Jacqueline Audry (1951, Drehbuch von Colette) zeigen, ein typischer Mädchenpensionatsfilm aus den 50er Jahren. Diesen gab es bei Circles, eine 16 mm Kopie, und es war sehr teuer, diese aus London zu holen. Das Thema Verfügbarkeit war damals noch ein ganz anderes.

 

Was genau war der Impuls den Verein Blickpilotin zu gründen?

Bernstorff 1989 fanden in West-Berlin Wahlen statt und überraschenderweise entstand ein rot-grüner Senat nach Jahrzehnten der CDU/SPD-Regierungen.

Holzkamp Der Senat war nicht einfach „nur“ ein rot-grüner Senat. Innerhalb der Senatsmitglieder gab es mehr als 50% Frauen. Von 12 waren es sieben Frauen, glaube ich. Und es war ihnen dementsprechend auch besonders wichtig, dass Frauen gefördert werden. Und das haben wir dann beim Wort genommen. Anne Klein war damals für Frauen, Jugend und Familie zuständig und Anke Martiny war Senatorin für Kulturelle Angelegenheiten. Wir entwarfen ein Konzept für ein feministisches kommunales Kino und schickten es an sie.

Bernstorff Der Senat meinte, wir müssten erst einmal zeigen, dass wir das auch können. Wir haben dann einen Verein gegründet und Gemeinnützigkeit beantragt und dann haben wir angefangen.

Holzkamp Am Anfang waren wir fünf Frauen: Stefanie Hetze, Maria Schmidt, Katrin Schulz, Madeleine und ich. Wir haben uns zunächst Initiative für ein Feministisches Kommunales Kino genannt. Bald danach kamen dann noch Birgit Kohler und Andrea Klein dazu. In dieser Zeit wurde aus der Initiative der Verein Blickpilotin. Für die Filmprogramme haben nicht immer alle zusammen gearbeitet. Oft gab es nebeneinander mehrere Projekte, die nur von einer oder zwei Frauen organisiert wurden. Wenn eine von uns eine Projektidee hatte, stellte sie diese in der Gruppe vor und konnte sie unter dem Namen Blickpilotin organisieren, wenn keine ein Veto einlegte. Zunehmend war es auch so, dass Frauen von außen mit Vorschlägen auf uns zukamen, weil sie eine solche Struktur für ihre Programm suchten. Kooperationen mit anderen Initiativen und Kinomacherinnen hatten wir oft und gerne.

 

2blickpilotin

Startseite der Homepage www.blickpilotin.de

 

Wie funktionierte die finanzielle Förderung?

Bernstorff Hauptsächlich wurden wir durch das Förderprogramm Frauenforschung, das es heute nicht mehr gibt, gefördert. Und durch das immer noch existierende Künstlerinnenprogramm des Berliner Senats. In den ersten Jahren haben zwei von uns ABM-Stellen bekommen und konnten dadurch ein Büro aufbauen und mit der Blickpilotin-Sammlung beginnen.

Holzkamp In den ersten Jahren hatten wir ein Büro in der Lesbenkulturetage Araquin in der Bülowstraße in Schöneberg. Von 1995 bis 2001 waren wir dann Untermieterinnen bei einer Logistikfirma in der Ritterstraße in Kreuzberg.

Bernstorff Wir hatten keine institutionelle Förderung. Neben den ABM-Stellen hatten wir immer nur projektbezogene Förderungen und dann gab es die Vereinsmitglieder, die Beiträge bezahlt haben. Das war unser Grundstock.

Holzkamp Zu den besten Zeiten hatten wir etwa 40 Vereinsmitglieder, ich glaube, 37 Frauen und drei Männer, die durften aber nur passive Mitglieder sein.

 

Welche Rolle hat das Archiv gespielt? Wie hat es sich aufgebaut? Woraus besteht es?

Bernstorff Wir nennen es eher Sammlung, weil wir tatsächlich nicht mit der Idee angetreten sind, wir machen jetzt ein Archiv. Erstmal hat sich etwas „angesammelt“.

Holzkamp Zunächst gab es die Materialien, die wir brauchten um die Filmreihen vorzubereiten. Wir haben Verleihinformationen und Pressematerial gesammelt, Materialien zu Filmfrauen und Themen, die uns interessierten.

Bernstorff Viel graue Literatur ... Ein wichtiger Kern war selbst eine Sammlung, die wir von Brigitte Tast bekommen haben. Sie ist Fotografin und hat auch Filme gemacht.

Holzkamp Von Beginn unserer Arbeit haben sich Dinge angesammelt. Wir haben dann aber auch begonnen, gezielt Hefter zu erstellen. Die hießen dann „Regisseurinnen A-Z“. Darin haben wir alles einsortiert, was wir bekommen haben. Und dann stellte sich raus, es gibt eine Frau, die auch vor uns schon so gesammelt hat und das war eben Brigitte Tast. Sie kam auf uns zu, weil sie selbst kein Kino mehr machte und sich ganz auf ihre Arbeit als Fotografin konzentrieren wollte. Letztendlich war sie sehr glücklich, mit uns Frauen gefunden zu haben, denen sie ihre Sammlung weitergeben konnte und die sie weiterführten und nutzbar machten.

 

In welcher Form war die Sammlung für Außenstehende nutzbar?

Holzkamp Man konnte zu uns ins Büro kommen und sich dort informieren, wenn eine von uns da war. Material ausleihen konnte man nicht, aber vor Ort einsehen. Und natürlich uns befragen.

 

Gab es auch Filme in der Sammlung?

Holzkamp Nein, wir haben bewusst keine Filme gesammelt. Eine reine Schriftensammlung.

Bernstorff Wir hatten einfach nicht die Infrastruktur um Filmkopien zu sammeln. Es gab aber das Frauenfilmarchiv in Hamburg, dessen Sammlung inzwischen bei bildwechsel (www.bildwechsel.org) ist.

 

Wie ging es mit der Sammlung weiter, nachdem Blickpilotin 2003 geendet hat?

Bernstorff Der Verein wurde 2007 aufgelöst. 2003 war die letzte Veranstaltung. Wir Einzelnen sind dann verschiedene Wege gegangen, haben aber unsere Arbeit weiter fortgeführt. Sobald wir uns entschieden hatten, den Verein aufzulösen, war die Frage, was mit der Sammlung passiert.

Holzkamp Bereits 2001 ist das Archiv zu mir in die Wohnung gezogen. Das Büro gab es nicht mehr, wir konnten es uns auch nicht mehr leisten.

Bernstorff Und dann gab es die Debatte, ob die Sammlung in ein feministisches Archiv übergehen soll, z.B. Archiv der deutschen Frauenbewegung, die Kinothek Asta Nielsen (www.kinothek-asta-nielsen.de) in Frankfurt/Main, oder auch bildwechsel in Hamburg waren die Vorschläge. Aber wir sind immer wieder darauf zurückgekommen, dass wir die Sammlung lieber in ein gesamt-gesellschaftliches, allgemeines Archiv in Berlin geben wollen. Also kein explizit feministisches Archiv.

Holzkamp Es wurde immer wieder zwischen uns diskutiert, liegt der Schwerpunkt auf Film oder auf Frauen und Feminismus? Oder wäre die Sammlung in einer Bibliothek besser aufgehoben, da sie dort auf eine andere Weise öffentlich ist? Oder ist es besser die Sammlung in ein Archiv zu geben, in dem Expert_innen damit umgehen?

Bernstorff Wir haben zunächst angefangen, eine Liste zu machen. Was befindet sich alles an grauer Literatur, an Büchern in der Sammlung? Es gab die 40 Ordner „Regisseurinnen von A-Z“. Aber weiter bearbeitet und grundlegend neu strukturiert haben wir die Sammlung nicht.

Holzkamp Die Stiftung Deutsche Kinemathek wollte die Sammlung annehmen, wollte sie aber zunächst nach Filmen geordnet in ihr Archiv einsortieren. Uns war aber wichtig, dass die Struktur der „Regisseurinnen von A-Z“ sowie die graue Literatur, die vor allem aus Filmprogrammen von Frauen besteht, als Konvolut erhalten bleiben.

Bernstorff Über ein anderes Projekt haben sich dann aber nochmals Gespräche und Verhandlungen ergeben und nun wird die Sammlung doch in das Schriftgutarchiv der Deutschen Kinemathek  gehen. Auf unserer Website blickpilotin.de findet sich eine Liste mit allen Regisseurinnen, zu denen sich in den 40 Ordnern Material findet. Das Material ist also nicht direkt über die Website einsehbar, aber die Namen lassen sich recherchieren, zu denen dann das Material im Schriftgutarchiv (www.deutsche-kinemathek.de/archive/schriftgut/allgemein) nach vorheriger Anmeldung einsehbar ist.

 

 

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Filmprogramme der Blickpilotin aus dem Jahr 2000,
http://blickpilotin.de/seiten/filmprogramme.htm

 

Wurde die Sammlung auch digitalisiert?

Bernstorff Digitalisiert wurde von dem gesamten Material nichts. Das war auch nie das Vorhaben. Das Netz hat bestimmte Dynamiken und Möglichkeiten, aber ich denke, die direkte Auseinandersetzung mit dem Material im Archiv ist etwas ganz anderes. Das habe ich auch in meiner sonstigen Arbeit immer wieder erlebt. Inhaltlich können sich dadurch neue, andere Kontexte ergeben. Das, was in einem materiellen Archiv neben dem zu finden ist, nach dem man eigentlich gesucht hat, kann einer manchmal ganz neue Räume eröffnen. Dieses materielle ‚Daneben’ hat eine andere Logik als die des Netzes.

Wenn du mit einem Archiv Kontakt aufnimmst, sprichst du dort mit Menschen etc. Es ist ein vollkommen anderer Vorgang als einem link zu folgen. Jedes Archiv hat seine eigene Dynamik, sein ‚offenes Verbergen’. Und natürlich schützt ein Archiv auch seinen Bestand und mit dieser Barriere umzugehen, genau darin liegt auch das Besondere. Ich denke immer, man sollte in der Arbeit und Recherche parallel vorgehen, sich auf der digitalen und der materiellen Ebene bewegen.

Holzkamp Unsere Sammlung war subjektiv. Eigentlich wollte die Kinemathek einen Passus im Vertrag, dass sie nicht „archiv-würdige“ Materialien entfernen darf. Aber wer entscheidet denn, was „archiv-würdig“ ist und was nicht? Deswegen haben wir uns auch dagegen gewehrt. Wir möchten, dass die Sammlung so bleibt, wie sie ist, auch wenn sich in 50 Jahren herausstellen sollte, dass das eine Dokument weniger interessant oder wichtig ist als ein anderes. In der Sammlung finden sich z.B. Zeitungsausschnitte, die wir ausgeschnitten und aufgeklebt haben. Also auch Material, das sich so im Netz nicht finden wird. Es gibt ein schönes Beispiel, was so ein kleiner Artikel auslösen kann: In einem Heft der Zeitschrift filmkritik aus den 60er Jahren fiel mir eine Notiz auf mit der Überschrift „Eine Varda aus Montpellier“. Ich kopierte sie, weil darin der Film La Dérive von Paula Delsol (1964) gelobt wurde. Jahre später, als Ute Aurand 1995 ihre Filmreihe „Sie zum Beispiel“ organisierte, erinnerte ich mich daran. Wir konnten den Film sichten, er lief in der Reihe und die überglückliche, fast vergessene Regisseurin kam aus Frankreich zur Vorführung angereist. Seitdem lief der Film auf verschiedenen Festivals – eine echte Entdeckung. Die kleine filmkritik-Notiz, die vermutlich Frieda Grafe geschrieben hatte, bekam plötzlich, 30 Jahre später, Bedeutung.

 

 

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