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Willkommen zur dritten Ausgabe des e-Journals
MAP - Media | Archive | Performance

 

MAP #3 Performing Sound: Hören / Sehen

 

 

Performing Sound –

Das Thema der aktuellen Ausgabe von MAP markiert zwei Fragerichtungen. Sie resultieren aus der grundlegenden Annahme, dass Sound (Geräusch, Ton, Klang, Laut …) integraler Bestandteil jeder Aufführung ist, ebenso wie in der menschlichen Wahrnehmung Hören und Sehen nicht voneinander zu trennen sind - auch wenn die historischen Medien der Aufzeichnung eine solche Trennung, vorübergehend, produziert haben. Die erste Fragerichtung weist auf verschiedene Aufführungsmodi von Sound, auf Kategorien der Beschreibung, die – aus dem Blick- und Hörwinkel der Performance Studies / Theaterwissenschaft – die alleinige Fokussierung auf das zu Hörende unterlaufen möchten. Hören und Sehen soll zusammen gedacht werden, so wie es in der künstlerischen Aufführungspraxis ohnehin geschieht. Die zweite Fragerichtung zielt auf den spezifischen Anteil des Akustischen an Aufführungen, auf das Verhältnis von medialem Zugang zu Sound, z.B. in Form der Phonographie, und dessen Re/Präsentation in einem als Kunst markierten Bereich. Sie verweist auf das Verhältnis von Tönen und Bildern in verschiedenen Konstellationen zwischen den Künsten oder inter media. Aufführung ist Aktualisierung von Tönen und Bildern – Zeichen oder Signalen -, die als medial gespeicherte nur potentiell sichtbar und hörbar sind.
Performing Sound wird also zu Aufführen als einer raum-zeitlichen Form der Präsentation, zum Ausführen einer Partitur, Handlungsanweisung oder medialen Konstellation / technischen Apparatur und zum Durchführen einer Aktion am/mit (gefundenen, gesammelten, aufgezeichnetem) Sound, zu seiner Bearbeitung.

 

- Hören / Sehen

gehören zusammen. „An Ear alone is not a Being“ (John Cage). Das Verhältnis der beiden Wahrnehmungsmodi wird in solchen Arbeiten zum Thema, die sich dem akustischen Kartografieren und den Sounds der natürlichen Umgebung widmen. Sie stellen die Differenziertheit der ansonsten unserer Aufmerksamkeit entgehenden akustischen Umgebung aus. Sie machen die Differenz zwischen dem, was man mit der visuellen Repräsentation einer Landschaft und deren akustischer assoziiert, deutlich. Field recording ist eine Methode der Archivbildung, die Geräusche … Sounds in der Welt sammelt, speichert und sie in neue, andere Kontexte transformiert.

Die Idee zum thematischen Schwerpunkt dieser Ausgabe basiert auf den Veranstaltungen des Festivals Resonanzen, das im April 2010 in Leipzig stattgefunden hat (siehe www.resonanzen-leipzig.de). Die dritte Ausgabe von MAP nimmt einige der dort gezeigten und diskutierten Aspekte und Projekte auf und schreibt sie ergänzend fort.

 

Performing Sound – Hören / Sehen

Die Beiträge sind in vier Kapiteln zusammen gefasst, in denen wir, unserem bisherigen Vorgehen folgend, theoretische und künstlerische Beiträge – von und über KünstlerInnen und Projekte – nebeneinander stellen.
Es gibt viel zu lesen, einiges zu hören und manches zu sehen. Wir haben im Sinne unseres thematischen Schwerpunktes die Möglichkeiten der Verknüpfung von Schrift, Ton und Bild genutzt. Ergänzend zu den Beiträgen, die für diese Ausgabe verfasst und denen, die uns zur Veröffentlichung überlassen wurden, erscheinen in eckigen Klammern angezeigte Inserts, d.h. Zitate, die wir als Ergänzung und Verweis auf Erweiterungen verstehen. Die Anschlüsse der Kapitel sind als Überlagerungen / Überlappungen gedacht. Zum Beispiel ragt der letzte Beitrag des ersten Kapitels Interfaces: Klang - Bewegung zum Projekt der performativen Realisierung verschiedener scores von Alvin Lucier auch zum Kapitel Sound / Szenen hinüber. Alvin Lucier wiederum ist mehr oder weniger offensichtlich Referenz in gleich drei Beiträgen: dem von Barbara Büscher, der genannten Projektdarstellung von Verena Eitel und im – als Audiobeitrag beigefügten – Beispiel aus der Arbeit von Felix Kubin (Paralektronoia). So lassen sich von uns hier nicht formulierte Verbindungen und Linien zwischen den Beiträgen von Ihnen, den Lesern – Hörern und Zuschauern – entdecken.

Interfaces: Klang – Bewegung geht dem Zusammenhang von Körperbewegung und Sound in drei verschiedenen historischen Konstellationen nach: in den nahezu unbekannten frühen Überlegungen Marcel Ducouts zur bewegungsbasierten Klangerzeugung aus den 1930er Jahren (Cramer), am Aufeinandertreffen zweier Performance-Systeme – der Klangerzeugung und der Körperbewegung – in Arbeiten der Merce Cunningham Company (Büscher) und an der fast schon wieder vergessenen Arbeit von STEIM Amsterdam, an der Entwicklung von Interfaces, die Körperbewegung und Gesten von Sound-Performern für elektronische Instrumente neu dachten (Otto). Die vielgestaltige Collage aus Notationen, Kommentaren der Künstlerinnen zur performativen Realisation und Auszügen aus einem reflektierenden Gespräch, die das Projekt The Empress of Sound – zu den Scores von Alvin Lucier - vorstellen, wurde schon erwähnt.

Sound / Szenen unterläuft oder überschreitet in der Untersuchung verschiedener Aspekte des Szenischen, der Inszenierung, der (Selbst-) Darstellungsweisen die Grenzen zwischen verschiedenen Künsten, zwischen U und E oder low / high. Die Untersuchung der grundlegenden Frage nach den klanglichen Qualitäten von Aufführungen bildet den Auftakt des Kapitels (W.-D. Ernst). An Radioarbeiten und Performances von Felix Kubin zeigt Max Haas wie sich verschiedene Elemente der Inszenierung von Sound und visuellem Stil zu einem Spiel mit Hysterie und Hysterisierung verbinden. Die Künstlerin Steffi Weismann stellt Aspekte ihrer performativen Arbeiten vor, in denen Sound und Stimme Ausgangspunkte sind.
Mit dem Porträt des Composer-Performer Tomomi ADACHI und seiner neuesten Arbeit Nuo - The Fish Market for Tubas, Cars, Musical Instruments and Chorus with Negimanabe erweitern sich die Sound-Szenen nach Tokio und geben einen Einblick in aktuelle performative Praktiken, die an die Reflexion von Cage, Fluxus und prozessorientierter Kunst anschließen.

Ortsgebundenheit von Performance und Sound bildet eine thematische Verknüpfung zwischen diesem Beitrag und dem folgenden Kapitel Klangräume eröffnen. Zwei sehr unterschiedliche (künstlerische) Konzepte des Field Recording und des akustischen Mapping eröffnen dem ‚Leserhörer’ die Audio-Beispiele der Beiträge zu/mit Peter Cusack und von Patrick Franke.
Franke kontrastiert die Entwicklungsdaten der Insel Greifswalder Oie mit von ihm aufgezeichneten Vogelstimmen. Cusack stellt im Gespräch mit Jens Heitjohann Untersuchungen von als gefährlich charakterisierten Orten mit akustischen Mitteln vor.

Anhand einer eigenen künstlerischen Arbeit, dem Audiospaziergang Des Schmetterlings zweifelnder Flügel befragt Julia Krause nicht nur das Verhältnis von Hören und Sehen, von Imagination des ‚Hörersehers’ und seiner Bewegung durch den Außenraum. Sie reflektiert auch Fragen der Dokumentation und Archivierung einer solchen Aufführung. Und sie entwickelt eine Form der Darstellung in diesem Medium, die wiederum Tonspur, Bildspur und Schrift in ein neues Verhältnis zueinander setzt.

Die Reflexion verschiedener medialer Formate zur Archivierung von Performance weist herüber auf das letzte Kapitel Medien / Transformationen, in dem zwei Beiträge den medienwissenschaftlichen Blick auf Phänomene der Aufführung schärfen: zum einen in Ergänzung zu den Projekten, die Methoden des Field Recording anwenden, eine Diskussion der Handlungsoptionen, die sich – im Falle der Phonographie – aus dem technischen Dispositiv ergeben (Thoben). Zum anderen beschließen diese Ausgabe Überlegungen von Wolfgang Ernst zur ‚Scheinbarkeit des Live‘ als zeitlicher Dimension medialer Übertragung. Dass und wie in Medien / mit Medien verschiedene Adressierungen des ‚Seherhörers’ (Butzmann) in der komischen Verbindung von Ton / Geräusch und Bild etabliert werden, zeigt Frieder Butzmann an Filmen von Jacques Tati. Eine besondere und herausragende Form der Vernetzung zweier Medien / Kunst-Felder erläutert Anna Ramos im Gespräch mit Jens Heitjohann. Radio Web Macba ist das Internet-Radio des Museu d’Art Contemporani de Barcelona und als eigenständiges künstlerisches Format Teil eines der großen europäischen Museen. Das Projekt erschließt sich in einem Gang durch das Archiv mit zahlreichen Links zum Herein- und Zuhören.
Wir freuen uns, dass wir Ihnen trotz aller Schwierigkeiten, die aus mangelnder finanzieller Absicherung resultieren, eine umfangreiche dritte Ausgabe vorstellen können und danken allen Beiträger/innen sehr herzlich für die gemeinsame Arbeit und Diskussionen sowie ihre Bereitschaft, sich unentgeltlich zu beteiligen.

 


Wir hoffen auf Ihre / Eure Reaktionen, Anregungen
und weiterführenden Überlegungen.


Barbara Büscher, Franz Anton Cramer,
René Damm, Verena Eitel, Jens Heitjohann


April 2012

ISSN 2191-0901

 

 

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