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Editorial

 

 

 

Willkommen zur zwölften Ausgabe des e-Journals
MAP - Media | Archive | Performance

 

MAP #12
Archiv-Erweiterungen. Digitale Umgebungen, de-koloniale Perspektiven und Mapping-Strategien

 

 

Ermöglicht sowohl durch die rasante Ausbreitung und Verfügbarkeit digitaler Umgebungen wie auch durch die beständige Ausdifferenzierung dessen, was „Archiv“ sein kann und soll, begünstigt zudem von der medialen Hybridisierung unserer Lebenswelt durch die Pandemie-Erfahrung, entstehen immer neue Denkmodelle und konkrete Praxen, die sich mit Bewahrung von kulturellem Gedächtnis, medialen Speicherformen und neuen (alten) Wissensformationen befassen. Die 12. Ausgabe von MAP widmet sich derartigen „Archiv-Erweiterungen“ und stellt das Potential vor, welches in solch neuen, ehrgeizigen und experimentellen, auch vorläufigen und fragmentarischen (Modell-) Projekten beschlossen ist.

 

Das Kapitel „Digitale Archiv-Umgebungen“ beginnt mit einer ersten Bilanz des Forschungsprojektes Documenting Digital Art. Annet Dekker und Gabriella Giannachi entwickeln eine Typologie dokumentarischer Praktiken zu digitalen und aufführungsbasierten Kunstwerken im Museumskontext. Sie führen damit in das Thema der übernächsten Ausgabe von MAP ein, die Dokumentationsstrategien und Praxen gewidmet sein („Doing Documentation“) und im Sommer/Herbst 2023 erscheinen wird. Im Gespräch mit Barbara Büscher erläutert Francis Hunger das Projekt Training the Archive sowie seine Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen. Training the Archive ist eine Kooperation zwischen dem Ludwig Forum Aachen, dem HartwareMedienKunstVerein Dortmund und dem Visual Computing Institute der RWTH Aachen University. Es widmet sich visuellen Archiven und der Frage, wie in diesen Sammlungen neue Zusammenhänge mittels „Machine Learning“ hergestellt werden können. Marika Kupkova und Monika Szücsová stellen in ihrem Beitrag ein durch die Abgeschlossenheit der Pandemie angestoßenes kuratorisches Forschungsprojekt vor, das zu einem experimentellen Archiv der TIC Gallery (Brno) wurde und Überlegungen dazu, wie sich Ausstellungsorte künftig als Community Centre verstehen können, evoziert hat. Das im Aufbau befindliche Archiv „Vasulka Kitchen Brno“, das auf einer Sammlung von Steina und Woody Vasulka basiert und im Brno House of Arts residiert, ist die Basis der performativen Ausstellung Vasulka Live Archiv/video mapping, die Jana Horáková erläutert. Sie wurde im Dezember 2021 als Projektion auf der Fassade des Kunsthauses gezeigt. Videoausschnitte von Vasulkas waren dabei mit Visualisierungen analytischer Ansätze durch künstliche Neurale Netzwerke verwoben.

 

Das zweite Kapitel widmet sich unter dem Thema „Dekoloniale Perspektiven“ Vorhaben und Forschungsansätzen, die sich mit der Erweiterung herkömmlicher Wissensformationen und Taxonomien beschäftigen. So schreibt sich etwa das Projekt Mediateca Onshore, das Verena Eitel in einer Collage aus Texten von Tobias Hering und Filipa César vorstellt, in die Bewegung ein, Erinnerungsbildung, Überlieferungsformen und die Bewahrung materieller Artefakte als Selbstermächtigung und widerständige Geschichtspraxis zu entwickeln. Am Beispiel dieses Filmarchivs in Guinea-Bissau wird deutlich, dass und wie die vielfältigen Prozesse des antikolonialen Widerstands, der filmkünstlerischen Perspektivierung und einer aktuellen, netzwerkbasierten Form der Zusammenarbeit, wie die Akteur:innen des Archivs sie betreiben, ineinandergreifen.

Mit Beiträgen aus dem Forschungsprojekt Border-Dancing Across Time, das der Tänzer-Choreographin Nyota Inyoka gewidmet ist, nehmen wir einen Strang aus der vorigen Ausgabe wieder auf und erweitern die archivbasierte Forschung um Fragen von Embodiment, Dekolonisierung und „ancestral knowledge“.

Amanda Piña kontextualisiert zunächst ihre Arbeit mit Notationen und Embodiment einiger Choreographien Inyokas, die sie in ihr Praxiskonzept der „compossession“ einordnet.

Sandra Chatterjee und Franz Anton Cramer haben eine englische Fassung des Artikels „Nyota Inyoka, Biographie, Archiv“ aus MAP #11 vorgelegt, jedoch erweitert um neue Fragestellungen und weitere Zwischenergebnisse.

Lucie Ortmann stellt im Anschluss den singapurischen Medienkünstler und Choreographen, Dokumentationskünstler und Forscher Choy Ka Fai vor. Dessen experimentelle Ansätze der Archivierung, der Verknüpfung von Live Performance, Virtual Reality und algorithmischer Kunst haben in den vergangenen Jahren für große Aufmerksamkeit gesorgt. Lucie Ortmann hat mit dem Künstler ein Interview geführt und umreißt wesentliche Themen von Choy Ka Fais Arbeitsweise. Der Beitrag wird im Herbst 2022 nachgereicht.

Den Abschluss macht Jasmin Ihraç mit einer Reflektion über die Verknüpfung von Film und urbanem Parkour am Beispiel ihrer Erkundungen von Istanbul. (Alternatives) Kartografieren als eine Strategie der Recherche zu urbanen Prozessen und als Form künstlerischer Aneignung von Räumen und Orten bildet den Hintergrund ihrer Überlegungen.

Die großen taxonomischen und epistemischen Fragen von Archivbildung, Erinnerungskultur und Medialität von Aufführungen unterschiedlicher Art finden zunehmend in einem Diskursraum statt, der Embodiment neben quellengestützte Forschung stellt, Prozesshaftigkeit gegen hierarchische Strukturierung und Erfahrungswerte neben empirische Erhebungen. Diese Neu-Perspektivierung überkommener (westlicher) Wissensformationen geht, so belegen die Beispiele dieser Ausgabe, besonders von den Gebieten des Globalen Südens aus, wie auch die kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe ausgerichtete Tagung „JOMBA! 2022 – Masihambisane Dialogues #2“ an der Universität von Kwazulu-Natal, Südafrika, zeigt.

 

Die Herausgeber:innen danken allen, die zu dieser Ausgabe beigetragen haben, sehr herzlich für ihre Unterstützung und freuen sich über Anregungen, Kommentare und Diskussionsbeiträge.

 

Anregungen, Kommentare und Diskussionsbeiträge sind uns jederzeit willkommen.

Barbara Büscher, Franz Anton Cramer

 

Redaktion dieser Ausgabe:
Barbara Büscher, Franz Anton Cramer, René Damm, Verena Elisabet Eitel, Lucie Ortmann

 

Juli 2022
ISSN 2191-0901

 

 

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Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Unterstützung zur Veröffentlichung dieser Ausgabe.

 

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