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Alphabetischer Index

 
Alphabetischer Index Material (Schema) 

 

In den Bänden, die die alphabetischen Indizes enthalten, weisen verschiedene graphische Darstellungen wie Fettdruck (Verweis auf die Position des nachgeschlagenen Materials in der systematischen Darstellung) oder Normaldruck (Verweis auf andere Materialien, die wesentliche Charakteristika des nachgeschlagenen aufweisen) durch die beschriebene Chiffrierung auf Materialien hin, die mit dem Nachgeschlagenen spezifische Merkmale teilen - in der systematischen Darstellung aber nicht unbedingt nahe stehen. Nehmen wir z. B. die Chiffre: ב λ XI. §4 Abs.17 C. e. Nr.5.1.9) - den tomatenförmigen Kurzzeitmesser (oder Eieruhr). Bereits durch den ersten Buchstaben ב - die grundlegendste Ebene der Unterscheidung - erfährt man, dass es sich um ein wesentlich von der ursprünglich nachgeschlagenen Tomate unterschiedenes Material handeln muss - nicht einmal natürlichen Ursprungs, aber mit tomatenhaften Aspekten! Wenn anders herum der tomatenförmige Kurzzeitmesser nachgeschlagen wird, führt der alphabetische Index den Interessierten zur allgemeineren Gruppe der Kurzzeitmesser, die in Performances verwendet werden. An dieser Stelle würde die gleiche Chiffre im Fettdruck erscheinen (und nicht im Normaldruck wie unter "Tomate"!), da hier bezüglich des wesentlich beschriebenen Charakteristikums - Kurzzeitmesser - der tomatenförmige Kurzzeitmesser Träger eben dieses Merkmals ist.

Schließlich eröffnet der alphabetische Index noch eine weitere Verweis-Ebene, die die Kontextualisierung, wie sie durch das Verhältnis von Tomate und tomatenförmigen Kurzzeitmesser angedeutete wurde, einen wesentlichen Schritt weiter treibt. Die im Kursivdruck gesetzten Chiffren verweisen auf die Positionierung eines Bildes, das mit dem nachgeschlagenen Material in Verbindung steht. (Mit den Bänden "Expansion" ist der Dokumentation in Bild (Foto und Video), Ton und Text im Rahmen der Enzyklopädie der Performancekunst an anderer Stelle ein wesentlicher Bereich gewidmet.) Die alphabetischen Indizes, die die systematische Darstellung vervollständigen, enthalten also Bildverweise - hier um das Dokumentationsphoto der Performance Nekropolis II (New York, 1962) von Claes Oldenburg. Die in unserem Fallbeispiel verwendete Chiffre (ב λ XVIII. §3 Abs. 5 B. Nr. 4.1) steht für die Aluminiumfolie. Warum finden wir, wenn wir "Tomate" nachschlagen, einen Hinweis auf Aluminiumfolie und mit welcher Absicht? Die Grundsituation der Performance von Oldenburg war ein gemeinsames Essen von drei so genannten "Verwandten" in einem Restaurant. Die Performer, deren Gesichter weiß geschminkt waren, redeten während des Menüs mit mehreren Gängen in unterschiedlichen Sprachen durcheinander. Ein Violonist spielte ab und zu eine nostalgische Melodie; ein "Monster" stolperte herein, legte sich schlafen und wurde von dem "Restaurantbesitzer" hinausgeworfen; eine nackte "Braut" wurde hereingetragen, aufgebahrt und wieder weggetragen. Die nachfolgenden Aktionen fanden in extremer Verlangsamung statt: Die Performer setzten sich Masken aus Aluminiumfolie auf und links im Bild sieht man den Pop-Maler, Poeten und Performer Öyvind Fahlström - der eine riesige Karte des Universums entfaltete. Im Moment des totalen Bewegungsstillstands traten zwei boxende "Bären" auf, die das gesamte Interieur zerschlugen und die anderen Performer verprügelten. Das Ganze endete in Chaos und Zerstörung. Durch den Bildverweis im alphabetischen Index wird die Dimension der Kontextualisierung deutlich, die mit der Enzyklopädie geschaffen wird. Aus dem Skript der Oldenburg-Performance wissen wir, dass der Hauptgang des Menüs Rinderzunge mit Tomaten-Kapern-Sauce war. Über die genaue Beschreibung der einzelnen Materialien hinaus stellt die Enzyklopädie der Performancekunst die Verbindung zu allen anderen Materialien her, mit denen ein spezifisches Material in einer Performance steht. Durch die Verwendung von Tomaten in der Oldenburg-Performance also steht die Tomate schon immer im Kontext mit Gläsern, Tischtuch, Weinflasche, Kerze, Bärenmaske... und der Aluminiumfolie.


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